Foto von Ines Werzinger (links), Apothekerin in der Marien Apotheke Wien, und Valerie Lenk (rechts) vom Verein TransX

Nachgefragt: Interview mit Valerie Lenk vom Verein TransX

31. März 2025

Zum Internationalen Tag der Trans*Sichtbarkeit am 31. März haben wir Valerie Lenk vom Verein TransX zu einem Interview in die Marien Apotheke Wien gebeten. In enger Zusammenarbeit mit der Teampraxis im 6. betreuen wir als Apotheke auch Trans*Personen und beschäftigen uns dadurch intensiv mit spezifischen Bedürfnissen wie der Hormontherapie, der allgemeinen (sexuellen) Gesundheit und auch mit Themen der Stigmatisierung bzw. Sichtbarkeit von Trans*Personen.

 

Valerie Lenk hat Apothekerin Ines Werzinger (links im Bild) im Interview spannende Einblicke in die Arbeit des Vereins TransX, die Herausforderungen für Trans*Personen in Österreich und besorgniserregende politische Entwicklungen gegeben. 

Was macht der Verein TransX und was ist deine Rolle im Verein?

Der Verein TransX existiert seit 1995 und ist der älteste Verein für Transgender-Personen in Österreich. Wir betreuen und begleiten Trans*Personen in ganz unterschiedlichen „Phasen“ – es kommen solche, die ihre Transition schon lange abgeschlossen haben, aber auch Menschen, die sich erst orientieren müssen. Man kann sich das wie einen Bahnhof vorstellen: Es kommen viele Leute an, um sich zu orientieren, wohin sie weitergehen wollen. Diese werden dann von uns für eine bestimmte Zeit begleitet.

 

Ich selbst bin seit Mai 2022 beim Verein und leite hier verschiedene Selbsthilfegruppen. Im Mai starte ich auch eine Resilienz-Gruppe, die an den Wochenenden stattfinden wird. Ich habe eine Ausbildung zur Lebens- und Sozialberaterin absolviert und seither kann ich das auch so anbieten.

Was sind die größten Herausforderungen für Trans*Personen in Österreich?

Trans*Personen sind eine sehr heterogene Gruppe, jede Person ist individuell. Eine der größten Herausforderungen für viele Trans*Personen ist das Selbstbild, das stark durch gesellschaftliche Normen, Stigma und Diskriminierung beeinflusst wird. Niemand sucht sich aus, trans* zu sein – eine trans*Frau ist eine Frau, und ihre Identität ist von Geburt an da. Viele trans* Personen empfinden jedoch einen starken Widerspruch zwischen ihrer Geschlechtsidentität und dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht. Manche erleben ihren Körper als nicht stimmig mit ihrer Identität, insbesondere wenn sie unter einer ausgeprägten körperlichen Dysphorie leiden. Es ist auch wichtig zu betonen, dass Geschlechtsidentität vielfältig ist und nicht nur in binären Kategorien gedacht werden kann. Neben trans*Frauen und trans*Männern gibt es viele nicht-binäre und genderfluide Menschen, die ihre Identität auf unterschiedliche Weise leben. Diese Vielfalt sollte in der Gesellschaft sichtbarer werden und genauso respektiert werden wie jede andere Identität.

 

Die Transition bedeutet dann oft einen Ausschluss aus der Gesellschaft und es kommen Fragen auf wie: „Wo stehe ich jetzt überhaupt?“ oder „Wo gehöre ich dazu?“. Während des gesamten Aufwachsens wird dann die eigene Rolle als Frau bzw. Mann immer infrage gestellt, man wird nie in sich selbst bestärkt. Diese ständige Rechtfertigung der eigenen Existenz kann schwere psychische Belastungen verursachen. Studien zeigen, dass Trans*Personen überdurchschnittlich häufig unter psychischer Belastung, Suizidgedanken und Selbstverletzung leiden – vor allem, wenn sie mit starker Ablehnung oder Diskriminierung konfrontiert sind.

Welche Hürden gibt es bei der Transition selbst?

Die Behörden-Wege für einen Personenstandswechsel sind sehr langwierig. Auch da geht es ständig um die Rechtfertigung der eigenen Person bzw. des eigenen Geschlechts. Es muss ein Gutachten durch eine*n Psycholog*in oder eine*n Psychiater*in erstellt werden, der*die dann bestätigt, dass man sich im jeweils anderen Geschlecht zugehörig fühlt. Hinzu kommen die hohen Kosten und Wartezeiten: Termine bei Psychiater*innen oder Therapeut*innen sind schwer zu bekommen und teuer. Dadurch gibt es auch diese soziale Hürde, die es manchen Menschen fast unmöglich macht, ihren Personenstand ändern zu lassen.

Wie hat sich gesellschaftliche Diskriminierung in den letzten Jahren verändert? Gibt es Verbesserungen?

In den letzten Jahren hat sich die gesellschaftliche Situation für viele Trans*Personen leider verschlechtert. Stigma und Vorurteile gab es immer, doch aktuell erleben wir eine verstärkte gesellschaftliche und politische Polarisierung. Auch innerhalb feministischer Bewegungen gibt es Kontroversen, da manche Gruppen die Rechte von trans* Frauen als Widerspruch zu Frauenrechten sehen. Es gibt auch leider immer wieder Übergriffe, aber kaum Zahlen dazu.

 

Auch politisch werden die Rechte von Trans*Personen eingeschränkt. Die USA bewegt sich zum Beispiel in eine extreme Richtung, aber auch vor unserer Haustüre ist es bereits so. In Ungarn ist etwa ein Personenstandswechsel gar nicht mehr möglich und auch die Hormonbehandlung ist mittlerweile verboten. Unter Blau/Schwarz wären Hormonblocker bei jugendlichen Trans*Personen in Österreich ebenso verboten worden. Die jetzige Regierung lässt jetzt erstmal Studien zu deren Nutzen durchführen. Das Ganze unter der Prämisse des „Jugendschutzes“ auf den Weg zu bringen ist aus meiner Sicht sehr zynisch: Das hat kaum mit Schutz zu tun, fast alle Trans*Personen wissen sehr gut, welchem Geschlecht sie sich zugehörig fühlen. Nur zur Einordnung: Nur 1% der Trans*Personen bereuen ihre Transition im Nachhinein!

Was wünscht du dir für die Zukunft? Was möchtest du noch sagen?

Für mich geht es um ein respektvolles Miteinander, wo ich meine*n Nächste*n nicht infrage stelle. Wir alle sind unterschiedlich, aber alle Menschen. Wir müssen einander nicht verstehen, aber zumindest respektieren.

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview!

über TransX

TransX ist der älteste Verein für Transgender*Personen in Österreich. Der Verein existiert seit 1995 und definiert sich als "Verein für alle, die - auf welche Weise auch immer - Geschlechtergrenzen überschreiten". Der Verein bietet Beratung, Tipps, Selbsthilfegruppen und Hilfe im Krisenfall an. 

 

Website: transx.at

Telefon-Hotline: 0680 / 24 14 748

Beratung per Mail: transx@transx.at

 

Marien Apotheke Wien

Mag. pharm. Karin Simonitsch

Schmalzhofgasse 1 • 1060 Wien 

 

T: 01/597.02.07 

F: 01/597.02.07–66

Email: info@marienapo.eu 

Onlineshopwww.mariechen.wien

 

      

 

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